Storyfabrics GmbH

Über dich

Ich heisse Martina Unternaehrer und wohne in der Stadt Zürich. Ich bin 34 Jahre alt.

Was machst du heute beruflich?

Ich leite Storyfabrics GmbH, ein Unternehmen, das Bettwäsche und Heimtextilien aus biologischer und Fairtrade-zertifizierter Baumwolle vertreibt. Ausserdem leite ich mit Stefan Egli von home3 Design GmbH den Swiss Design Market, ein Pop-up-Konzept, mit dem wir jungen Schweizer Designern helfen, ihre Produkte zu verkaufen und sich im Markt bekannt zu machen.

Was ist Nachhaltigkeit für dich?

Schon früh habe ich mich für Nachhaltigkeitsthemen interessiert. Wenn man auf dem Land aufwächst, dann spürt man den Bezug zur Natur oft viel unmittelbarer und erkennt, dass man auch zu seiner Umwelt Sorge tragen muss. Ausserdem hatten viele Produkte eine (Entstehungs-)Geschichte. Der Bauer, bei dem man seine Milch holte, kannte man und wusste wie es seinen Kühen geht. Die Kartoffeln kamen aus dem eigenen Garten und Hosen wurden zum Spielen draussen mit schönen Stoffapplikationen eigenhändig geflickt. Dieser Bezug hat mir in der Stadt immer gefehlt.

Seelenlose Produkte im Überfluss interessierten mich wenig und ich habe immer stärker gemerkt, dass ich hier etwas anderes anbieten möchte.

Nach meinem Marketing-Studium an der Universität Sankt Gallen war mir bewusst, dass ich meine Person und Kreativität nicht einfach dem Konsum widmen möchte. Bei Storyfabrics kenne ich alle Produzenten persönlich und war mehrmals für die Produkteentwicklung vor Ort. Ihre Geschichten fliessen in die Produkte ein, es sind keine gesichtslosen Waren aus der Fabrik.

Wie kam dir die Idee, das zu tun, was du heute tust?

Storyfabrics Produktion

Zu Besuch in der Produktion

Auf der Suche Bettwäsche fand ich kein ansprechendes Angebot, was meine Vorliebe für schlichtes Design und Nachhaltigkeit zu einem gerechtfertigten Preis widerspiegelt hat. Da habe ich mich halt selber auf die Suche gemacht. Mit meinem eigenen Label Storyfabrics habe ich dann auch erfahren, wie schwierig es ist, an Kundschaft für sein Produkt zu kommen und im Markt sichtbar präsent zu sein. Oft erhält man nur kleine Flächen im Handel und verkauft daher nicht besonders gut. Daher ist mein zweites Standbein, der Swiss Design Market, entstanden. Zudem freue ich mich, wenn ich andere Schweizer Start-ups und Designer dabei unterstützen kann, ihre Produkte zu verkaufen.

Was ist für dich berufliches Glück?

Berufliches Glück ist für mich selbstbestimmtes Arbeiten mit einer grossen Motivation, die aus der Tätigkeit selbst entsteht. Mit meiner Arbeitsleistung möchte ich gerne zur positiven Veränderung beitragen, ohne asketisch oder belehrend zu sein.

Was ist für dich eine sinnvolle berufliche Tätigkeit?

Ganz viele Tätigkeiten sind sinnvoll. Oft hängt es von der Betrachtungsweise ab. Sinnvolle Tätigkeiten bringen unsere Gesellschaft als Ganzes weiter, das ist mir wichtig.

Wenn ich nachhaltige Produkte anbieten kann, die vielleicht weniger nachhaltige Produkte ersetzen können und in den Herstellungsländern eine positive Entwicklung bewirken, dann macht mich das zufrieden.

Auch wenn ich der Schweizer Bevölkerung im Swiss Design Market Produkte erklären kann, die regional erdacht und teilweise auch noch in der Schweiz zu absolut vernünftigen Preisen hergestellt werden, dann finde ich das schon sehr toll. Den Dingen wieder eine Herkunft geben, Bewusstsein schaffen, den Dingen Leben einhauchen mit Hilfe der Menschen, die an ihrer Entstehung beteiligt waren, das erfüllt mich gerade sehr und empfinde ich als sinnvoll. Wenn man einen Bezug zu einem Ding hat, dann gibt man besser darauf Acht, pflegt es besser und repariert es auch.

Wie wirkt sich dein berufliches Glück auf dein privates aus?

Ich bin sehr viel unterwegs, nehme an sehr vielen Veranstaltungen teil und bin immer ein Botschafter für meine beiden Labels. Ich bin oft unter Strom, knüpfe Bekanntschaften zum Umsetzen neuer Projekte und arbeite bis spät, unregelmässig und oft längere Zeit ohne angemessene Auszeit. Ich kann mich unglaublich begeistern, wenn ich etwas entdecke, das zu Storyfabrics oder dem Swiss Design Market passen könnte und vergesse mich. Menschen aus meinem privaten Umfeld müssen Ihre Zeit gerade stark einfordern, haben aber auch sehr viel Verständnis. Anders geht es nicht.

Wenn du frei von allen Verpflichtungen wärst, würdest du genau dasselbe tun?

Ich würde noch mehr davon tun und hätte sicherlich bereits eine unterstützende Kraft eingestellt, wenn Geld keine Rolle spielen würde. Aber Geld macht immer auch kreativ. Ohne dem fehlenden Marketingbudget für Storyfabrics hätten Stefan Egli und ich vielleicht auch nie den Swiss Design Market gegründet, der jetzt viel zu meinem beruflichen Glück beiträgt.

Gibt es einen Rat, den du Menschen mitgeben willst, die nach einem Job mit Sinn suchen oder selbst etwas anpacken wollen?

Ich habe gelernt, dass Partnerschaften, in denen alle gleichermassen profitieren, die besten sind und man am Schnellsten vorankommt. Zusammenarbeiten, Allianzen schmieden und gemeinsam etwas umsetzen, das man vielleicht alleine nicht hinbekommt, hilft ungemein. Es ist wahnsinnig hilfreich, sein Netzwerk aufzubauen, bevor man startet. Manchmal muss man in Vorleistung gehen, aber es sollte sich immer gut anfühlen. Sinnvolles zu tun heisst nicht, unentgeltlich für andere zu arbeiten. Auch wenn man einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen möchte, so benötigt man in den meisten Fällen doch auch Geld zum Leben.

Geld zu verdienen ist nicht verwerflich und für seine Arbeit einen Lohn einzufordern ist legitim.

Sich im Vorfeld zu überlegen, ob man Teilzeit starten möchte und wieviel Lebensbudget man benötigt, ist wichtig. Ansonsten kann es schnell auch frustrierend werden. Ein weiterer Punkt ist auch, auf seine Fähigkeiten zu vertrauen und einfach zu starten. Businesspläne über fünf Jahre funktionieren meist schon nach den ersten drei Monaten nicht mehr. Man muss ständig agil bleiben und sich seiner Umgebung anpassen. Das heisst aber nicht, dass man seine Mission verraten soll. Vielleicht muss einfach an der Dienstleistung oder dem Produktportfolio gefeilt werden. Oft kann man sein Produkt oder seine Dienstleistung bereits im Vorfeld testen. Ich habe gelernt, möglichst viel Feedback einzuholen, jedem von meinen Projekten zu erzählen, Designideen zu besprechen und mir unterschiedlichste Meinungen erst einmal wertefrei anzuhören, immer aber den Kern, die «Sinnhaftigkeit», zu verteidigen. Das erhaltene Feedback war oft viel wertvoller als das Risiko, meine Ideen zu kopieren. Umsetzen muss man ja dann doch immer auch noch, ob alleine oder im Team.

Martina Unternaehrer ist Gründerin und Inhaberin des Textilunternehmens Storyfabrics GmbH und Mitinitiantin des Swiss Design Market, der am 1.3.2017 in Bern seine Tore öffnet.