Geld nachhaltig investieren

Oikocredit – In Menschen investieren

Nachhaltigkeit beginnt und endet nicht nur bei Lebensmittel, der Energie etc. Oft geht schnell vergessen, dass auch ein nachhaltiger Umgang mit dem eigenen Geld ein wichtiger Bestandteil ist. Gerade im Zeitalter von Online-Banking und Kreditkarten ist Geld etwas flüchtiges, surreales … Ich habe mich mit Martin Werner von Oikocredit über Geld, nachhaltige Investitionen und Fast Fashion unterhalten und ihn zu einem gemeinsamen Rundgang durch die gleichnamige Ausstellung im Textilmuseum St. Gallen getroffen.

Wer ist Oikocredit und was macht ihr?

Oikocredit deutsche Schweiz wurde 1983 – also in Jahren, wo Nachhaltigkeit noch kein so aktuelles Thema war wie heute – gegründet und ist ein gemeinnütziger Verein und Mitglied der internationalen Genossenschaft Oikokredit. Heute zählt der Verein rund 1‘800 Mitglieder. Im Vorstand sind sechs Personen vertreten und arbeiten ehrenamtlich. Wir sind in Winterthur mit einem Büro vor Ort.

Oikocredit vergibt vorwiegend Finanzierungen an Unternehmen und Organisationen in über 70 Entwicklungs- und Schwellenländern oder Ländern des globalen Süden, die den sozialen, finanziellen und ökologischen Gewinn verbinden, vorwiegend in den Bereichen inklusives Finanzwesen, Landwirtschaft/fairer Handel und erneuerbare Energien.

Die Unternehmen und Organisationen werden von Oikocredit geschult und beraten, denn ein Kredit ohne Beratung trägt langfristig nicht zum Erfolg bei.

Dabei geht es darum, dass alle Beteiligten profitieren. Ein Unternehmen zu unterstützen und zu fördern, das zwar Arbeit in einem Dorf schafft, dabei aber die sozialen und ökologischen Aspekte vernachlässigt, ist nicht im Sinne von Oikocredit. Das bedeutet, dass Organisationen, die ein Darlehen aufnehmen möchten, auf Herz und Nieren geprüft werden. Gerade Mikrokredite ermöglichen in Schwellenländern meist Frauen, ein eigenes Geschäft aufzubauen.

Wie kann ich als Privatperson Oikocredit unterstützen?

Du kannst nun als Privatperson dein Geld für mindestens drei Jahre Oikocredit leihen, die es wiederum solchen Organisationen bzw. Unternehmen für deren Aufbau weitergeben. Im Gegensatz zu einem üblichen Sparkonto bei einer Bank weist Oikocredit transparent auf, welche Unternehmen und Organisationen damit unterstützt werden und natürlich entsprechen alle dem Nachhaltigkeits-Gedanken. Und richtet so an Menschen und Umwelt keinen Schaden, sondern hilft ihnen, eine eigenständige und menschenwürdige Existenz aufzubauen. Im Gegensatz zu anderen Geldanlagen ist die Rendite für unsere Kunden eher zweitrangig. Du kannst dein Geld auch bei anderen Institutionen mit nicht nachhaltiger Gesinnung anlegen, so dass eine möglichst grosse Rendite erwirtschaftet und dann gespendet wird. Doch das ist wohl eher widersprüchlich, wenn auf Kosten anderer Gewinn erwirtschaftet wird, wodurch Schäden angerichtet und dann wieder mit Gegenmassnahmen gerichtet werden müssen. Damit du dein Geld bei Oikocredit anlegen kannst, bezahlst du maximal 35 Franken für eine Jahresmitgliedschaft, dafür fallen keine Depot- und andere Gebühren an, wie es z. B. bei Fonds üblich ist.

Wir sind hier an der Ausstellung Fast Fashion, einem Thema, das aktuell überall in den Medien vertreten ist. Wie setzt sich Oikocredit bezüglich diesem Thema ein?

Wir unterstützen beispielsweise Chetna Organic in Indien, das Storyfabrics, ein Unternehmen welches in der Schweiz Heimtextilien designt und in Indien nachhaltig aus Bio-Baumwolle und unter sozial fairen Bedingungen herstellt. Die Baumwolle wird von lokalen Genossenschaftsbauern ökologisch angebaut und die Bauern fair entlohnt. Damit das überhaupt möglich war, war ein finanzieller Vorschuss nötig, damit die Bauern einen Weg in eine rentable und nachhaltige Selbständigkeit fanden.

Ein weiteres Projekt ist die People Tree Fair Trade Group , eine Modemarke, die Kleidung und Accessoires ebenfalls aus Bio-Baumwolle aus fairem Handel vertreibt und vermarktet. Diese und viele weitere Projekte, die wir unterstützen, führen wir transparent auf unserer Website auf und erzählen mehr über deren Geschichte und Tätigkeiten.

Werden die Baumwoll-Bauern, Näherinnen etc. nicht fair entlohnt, können ihre Kinder nicht zur Schule, Felder werden mit Pestiziden verseucht, um schneller mehr zu ernten und verhindern ein langfristiges und nachhaltiges Einkommen.

Daher ist es wichtig, mit einem Kredit solche Menschen zu unterstützen, damit sie vor sozialer Ausbeutung und die Umwelt vor Verschmutzung geschützt werden. Dass solche Textilien zu einem durchaus konkurrenzfähigen Preis in Europa verkauft werden können, gerade auch in der Schweiz, beweist Storyfabrics. Denn ein teures Produkt ist kein Garant, dass die Menschen, die die Ware herstellen, fair entlohnt werden. Das zeigt die Ausstellung Fast Fashion deutlich.

Oikocredit

© Oikocredit

Ein weiteres Projekt, auf das wir sehr stolz sind, ist SEKEM . 1977 ausserhalb Kairos gegründet, werden heute Bio-Lebensmittel, Kleidung und Textilien aus Bio-Baumwolle und pflanzliche Heilmittel produziert und vor allem in Ägypten weiterverarbeitet und verkauft. Die ägyptische Bevölkerung (über 85 Mio.) kann – in einem Land das vor allem Produkte importiert – damit teilweise mit einheimischen Produkten versorgt werden. Mittlerweile gehen zehn Prozent der Gewinne an die SEKEM Development Foundation. Damit werden die Beschäftigten und die lokale Bevölkerung mit medizinisch versorgt und ermöglicht Bildung vor Ort.

Möchtest auch du mit deinem Geld etwas Gutes bewirken? Dann informiere dich auf der Website von Oikocredit und erfahre mehr.

Oikocredit   Zur Website von Oikocredit >

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