Arbeitest du schon oder wartest du noch?

Wahrscheinlich hast du das auch schon erlebt: man bewirbt sich x-mal, erhält immer wieder eine Absage. Obwohl man dachte: DAS ist genau mein Job, die Beschreibung liest sich genau so, als wäre sie für mich geschrieben.

Vor kurzem schaute ich mir am Abend zur Entspannung eine Serienfolge im Internet an. Die junge Journalistin schreibt für eine Zeitung einen Artikel über das „in der Schlange stehen“. Sie soll herausfinden, warum Menschen für Turnschuhe, Smartphones etc. stunden- oder gar tagelang in einer Menschenreihe anstehen, nur um dieses eine Produkt zu kaufen und dann zu den ersten Besitzern zu gehören. Während sie in der Schlange steht und Leute interviewt, holt ihre Mutter – die sie begleitet – immer wieder zu Essen oder vertreibt sich sonst die Zeit. Jedes Mal kehrt sie mit einem der raren Artikeln zur Menschenschlange, in der ihre Tochter steht, zurück. Und das, obwohl sie eben gerade nicht in der Schlange angestanden ist.

Manchmal fühlt sich das Bewerben auf eine Stelle an, als würde man in einer solchen Menschenschlange stehen. Man will diesen Job unbedingt und steht in der Reihe und geht dann letztendlich trotzdem leer aus. Die Szene im Film zeigt, dass man manchmal über Umwege zum Ziel gelangt, indem man aus der Reihe tanzt und sich bemerkbar macht. Die Mutter der Journalistin kam nämlich jeweils mit den richtigen Leuten ins Gespräch und erhielt daraufhin diese begehrten Artikel. Sie wartete nicht passiv in der Schlange, bis jemand nach ihr oder ihrem Wunsch gefragt hat, denn das wäre auch nicht passiert. Genau deswegen solltest du dir überlegen, wie du auf dich aufmerksam machen willst, wenn du dich für deinen Traumjob bewirbst. Klar, ohne die entsprechenden Fähigkeiten und Kenntnisse bringt auch alles andere wohl wenig, aber abwarten bringt dich auch nicht weiter. Du musst aus der Schlange treten, denn andere wollen den Job auch.

Was tun? Komm mit Leuten ins Gespräch. Erzähle im Freundes- und Bekanntenkreis, dass du auf Stellensuche bist und was du dir vorstellst. Seit es alle möglichen Social-Media-Kanäle gibt, fällt dir ja bestimmt auf, wie klein die Welt ist? Da kennen sich Franz und Fränzi, obwohl du das nicht wusstest. Und sogar wo sie wohnen und arbeiten weisst du, auch wenn ihr seit x Jahren keinen persönlichen Kontakt mehr habt. Nutze diese Vorteile und Verbindungen, kontaktiere sie höflich und bitte sie um ein gutes Wort oder eine Möglichkeit, einen Kontakt herzustellen. Vitamin B hilft immer und daran ist auch nichts verkehrt.

Die Menschen, die entscheiden, wer welche Stelle besetzt, sind auch nicht unerreichbar. Vielleicht gibt es eine Gelegenheit wie eine Karrieremesse, eine Veranstaltung des Unternehmens o. ä., um persönlich vorbeizugehen und ins Gespräch zu kommen. Denn auch die Entscheider/-innen sind „nur“ Menschen. Dabei solltest du aber nicht gerade mit der Türe ins Haus fallen und beim zweiten Satz zusammenhangslos erwähnen, dass du dringend einen Job suchst. Das wirkt zu aufdringlich und kann dein Gegenüber in Verlegenheit bringen. Auch wenn der/die Human Resource Verantwortliche/-r gerade nicht da ist: sprich mit den Angestellten, denn vielleicht erzählt er von der netten Begegnung und erwähnt, wie nett das Kennenlernen mit dir war und du dich doch bewerben wolltest, oder du kannst beim Bewerbungsschreiben darauf zurückgreifen, wie gut dein Eindruck von den Mitarbeitenden und dem Unternehmen war.

Bleib nicht in der Schlange stehen, denn da warten alle auf dasselbe. Belästige die Verantwortlichen nicht, aber nutze Kontakt und Anlässe, vielleicht auch über Umwege. Es ist nie etwas vergebens. Und wenn es mit dem einen Job trotzdem nicht geklappt hat, hast du schon neue Kontakte, die sich vielleicht später auszahlen und Erfahrungen gesammelt, die dich weiterbringen werden.

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